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Realistische Felsen aus Gips
Mit wenig Werkzeug, dem richtigen Unterbau und gutem Timing entstehen scharfkantige Felsen mit natürlicher Farbwirkung.
Für realistisch wirkende Felsen braucht es keine Unmenge an Werkzeugen. Entscheidend sind ein tragfähiger Untergrund und der richtige Zeitpunkt beim Bearbeiten des anziehenden Gipses.
Für eine Ausstellungsanlage plante ich mindestens vier Module mit jeweils 120 × 60 Zentimetern. Ein Abschlussmodul dient als Schattenbahnhof, weitere Module lassen sich ergänzen. Thema ist ein ÖBB-Endbahnhof der 1970er- und 1980er-Jahre, angelehnt an Aigen-Schlägl, den Endpunkt der Mühlkreisbahn. Daher trägt mein Modellbahnhof den Namen „Aigen“.
Vom Bahnhof Linz Urfahr führt die knapp 58 Kilometer lange, normalspurige und eingleisige Mühlkreisbahn durch den nördlichen Teil Oberösterreichs nach Aigen-Schlägl.
Eröffnet wurde die Bahnlinie im Oktober 1888. Seit 1900 bestand über die Linzer Verbindungsbahn ein Anschluss an das übrige Eisenbahnnetz. Verschiedene Verlängerungen in Richtung Böhmen und Bayern wurden geplant, aber nicht verwirklicht.
Das Mühlviertel ist ja ein Teil des Gneis- und Granitplateaus, auch Granit- und Gneishochland genannt. Somit müssen auch auf meiner Anlage Felsen vorkommen. Wo wir damit schon beim eigentlichen Thema wären.
Am hinteren Anlagenteil, dem ersten Modul, steigt die Landschaft etwas an, und eine größere Waldfläche beginnt. Ein paar Felsen sollen sichtbar sein. Ein Waldweg schlängelt sich entlang des Waldrandes und führt dann tiefer in den Wald. Etwaige Hindernisse könnten weggesprengt worden sein, sodass der Fels etwas scharfkantiger wirkt.
Der Unterbau meiner Landschaften besteht in der Regel aus XPS Hartschaum. Die einfache Bearbeitung, die hohe Stabilität und das geringe Gewicht sind die Hauptvorteile dieses Werkstoffes.
Die Felsen selbst werden aus Gips geformt. Einige Modellbaukollegen formen die Felsen aus XPS. Diese Methode liefert auch beeindruckende Ergebnisse, mir persönlich liegt diese Technik nicht und ich erziele mit Gips viel bessere Resultate. Das liegt auch eventuell daran, dass ich mit XPS keinen ordentlichen Verlauf in den Fels bekomme.
Unterbau vorbereiten
Den Felsenuntergrund habe ich mit einem scharfen Cuttermesser in Form geschnitten und mit einer Raspel aufgeraut. Mit einem Schraubendreher mache ich mehrere Vertiefungen in den Hartschaum. Der Gips greift in diese Vertiefungen und wird dadurch mechanisch besser verankert. Beim Schneiden und Schleifen arbeite ich vom Körper weg und sauge den entstehenden Staub ab.
Dort wo der Fels hinkommen soll, werden mit dem Schraubendreher Löcher gemacht.
Die erste Gipsschicht
Die erste dünne Gipsschicht besteht aus sehr dünnflüssig angerührtem Gips. Zu der Gipssuppe gebe ich ein paar Tropfen Netzmittel, um der Masse die Oberflächenspannung zu nehmen. Das hat den Sinn, dass der flüssige Gips in die zuvor gebohrten Löcher einzieht. So wird sich die erste Gipsschicht, wenn sie getrocknet ist, sicher im Untergrund verankern.
Bevor ich die Masse auftrage, benetze ich den Hartschaum mit Wasser. Etwas Fließverbesserer im Wasser sorgt auch hier dafür, dass das Wasser besser in die Löcher einzieht.
Der Gips wird auf den benetzten Untergrund dünn aufgetragen. Es ist darauf zu achten, dass alle Dübellöcher gut bedeckt sind.
Jetzt warte ich, bis der Gips angezogen hat. Nach ca. einer halben Stunde kann ich weiterarbeiten.
Felsen modellieren
Den Gips zum Modellieren der Felsen rühre ich dicker an.
Zum Modellieren der Felsen brauche ich nichts weiter als zwei Werkzeuge. Eine breitere Japanspachtel zum Auftragen und Vormodellieren der Gipsmasse, und eine schmalere Spachtel zum Herausbrechen von Felsstücken.
Mit dieser Methode reichen zwei Spachteln aus; zusätzliche Werkzeuge wie Stechbeitel oder Drahtbürste sind für den gezeigten Fels nicht notwendig.
Ist die zweite Gipsschicht aufgetragen, kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an.
Der richtige Zeitpunkt erleichtert die weitere Bearbeitung erheblich.
Frisch aufgetragener Gips besitzt einen deutlichen nassen Glanz, der auf Bild F04 gut zu erkennen ist. Sobald dieser Glanz verschwindet, beginnt das Material spürbar anzusteifen. In diesem kurzen Zeitfenster lässt sich die Oberfläche noch strukturieren, ohne sofort wieder zusammenzufließen; nun arbeite ich zügig weiter.
Eine schmale, scharfe Spachtel verwende ich, um Felsstücke aus der Felswand zu brechen.
Ich steche wenige Millimeter seitlich in den Fels und breche mit der Spachtel den Gips nach vorne heraus. Da ich mit der Spachtel nicht durch den Fels schneide, entstehen natürliche Bruchspuren.
Mit der Spachtel bilde ich die Spuren verschiedener Witterungseinflüsse nach. In der Natur führen Spannungen und Verwitterung zu Rissen und Abbrüchen; genau diese unregelmäßigen Strukturen sollen im Modell entstehen.
Es ist wichtig, nicht zu viel Gips auf einmal zu verarbeiten. Der Gips wird relativ schnell hart.
Der Gips muss nun vollständig durchtrocknen. Je nach Schichtdicke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit kann das mehrere Tage dauern. Erst wenn keine feuchten, dunkleren Stellen mehr sichtbar sind, bekommen die Felsen ihren ersten Farbauftrag.
Das Geröll von den Gipsarbeiten ist entfernt und abgesaugt.
Farbgebung
Granitfelsen grundiere ich grau, mit einem Schuss blau. Dazu verwende ich einfache Abtönfarbe aus dem Baumarkt. Alternativ gibt es von Heki auch die Farbe Granit. Die Farbe wird verdünnt aufgetragen. Der trockene Gips saugt die Farbe auf. Das Grau wird nach dem Trocknen noch heller.
Auch die erste Farbschicht muss vollständig durchtrocknen. Sie reduziert die Saugfähigkeit des Gipses und sorgt dafür, dass die folgenden Washes kontrollierter verlaufen. Die nötige Trockenzeit hängt vom verwendeten Farbsystem ab.
Danach wird das erste Wash aufgetragen. Hierzu verwende ich das Sepia Wash von Vallejo. Satt auftragen, zu dunkle Stellen mit einem feuchten Schwämmchen überwischen. Diesen Vorgang kann man so oft wiederholen, bis das gewünschte Verschmutzungsresultat erreicht ist.
So sieht es aus, wenn alles trocken ist.
Ist das Wash vollständig getrocknet, kann man mit einem Borstenpinsel die Lichtkanten hervorheben. Dazu nutze ich die Graniertechnik. Die ebenen Flächen bekommen etwas Ocker ab, die scharfen Kanten etwas Silbergrau.
Dazu tupfe ich einen Borstenpinsel in die gewünschte Farbe, streiche ihn an einem Küchentuch aus, sodass keine Farbe mehr abgeht. Ein Test am Handballen verrät, ob man den Pinsel genug ausgestrichen hat. Führt man den Pinsel über den Ballen, darf keine Farbe zu sehen sein. Ist doch etwas zu sehen, nochmal abstreifen.
Nun streiche ich mit dem Pinsel über den Fels. Die Farbe ist jetzt nur leicht auf den Kanten zu sehen.
Erde und Vegetation
Weiter geht es mit Erde und Schmutz. In den Ritzen und Furchen zwischen den Felsen sammelt sich organisches Material. Ich trage dort etwas matten Modellbaukleber auf und streue feine Parabraunerde darüber.
Langmesser Mattkleber ist hier die richtige Wahl. Mit einem Pinsel trage ich ihn dort auf, wo sich für gewöhnlich Schmutz ablagert.
Das Ganze sollte jetzt 24 Stunden trocknen.
Auch die hinteren Felsen wurden verschmutzt.
Jetzt kümmere ich mich um das Drumherum. Für diese Szene kombiniere ich Modelscene-Geländematten mit Grasfasern in verschiedenen Längen. So lassen sich Übergänge zwischen Fels, Erde und Vegetation kontrolliert aufbauen.
Als Erstes wird mit 2 mm Fasern grundbegrast. Eine passende Geländebaumatte, hier verwende ich Karstboden, reiße ich in Stücke und trenne die Matte vom Trägermaterial.
Wenn ich so wie hier Matten und Fasern kombiniere, klebe ich die Grasmatten mit dem Langmesser Mattkleber. Werden nur Matten verarbeitet, reicht normaler Weißleim.
Durch die inselartige Aufbringung der Matten entstehen zwangsläufig Zwischenräume. Diese werden mit einer Mischung aus 2 und 4,5 Millimeter langen Fasern geschlossen. Abschließend kann man mit 6,5 Millimeter langen Fasern einzelne Grasbüschel in die fertige Wiese setzen.
Die einzelnen Mattenstücke werden verklebt, die Zwischenräume mit Fasern geschlossen.
Die Freiräume zwischen den Mattenstücken sind mit einer Fasermischung geschlossen worden.










