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So wächst mein Gras

Ein Feldweg und zwei Wiesen zeigen, wie verschiedene Fasern, Untergründe und Arbeitsgänge lebendiges Gelände ergeben.

So wächst mein Gras

Eine glaubwürdige Wiese entsteht nicht mit einem einzigen Faserauftrag. Entscheidend sind ein lebendiger Untergrund, unterschiedliche Faserlängen und genügend Zeit zwischen den einzelnen Schichten. Auf einem kleinen Diorama zeige ich meine Arbeitsweise vom geformten Gelände bis zu den letzten Pflanzen am Wegrand.

Der Untergrund

Als Basis verwende ich XPS-Hartschaum. Das Material ist leicht, stabil und lässt sich mit Cutter, Raspel und Schleifpapier schnell in Form bringen. Die Oberfläche raue ich auf, damit Kleber und Farbe sicher haften. Kleine Unebenheiten sind ausdrücklich erwünscht: Eine vollkommen glatte Fläche wirkt später auch unter den Fasern unnatürlich.

Das Gelände ist geformt und für Feldweg und Wiesenflächen vorbereitet.

Das Gelände ist geformt und für Feldweg und Wiesenflächen vorbereitet.

Den Feldweg anlegen

Den Verlauf des Weges lege ich fest, bevor die erste Faser auf das Diorama kommt. Die Übergänge zur Wiese sollen weich und unregelmäßig auslaufen. Dafür trage ich ein Gemisch aus mattem Kleber, brauner Abtönfarbe und wenig Wasser satt auf. Mit einem groben Schwamm kann der Rand zusätzlich aufgetupft werden; so entsteht keine saubere, künstlich wirkende Linie.

Feldweg und Böschung erhalten ihre endgültige Form.

Feldweg und Böschung erhalten ihre endgültige Form.

Nach dem Trocknen bekommt der Weg feines Erd- und Steinmaterial. Mehrere gedeckte Braun- und Grautöne wirken überzeugender als eine einheitliche Farbe. Fahrspuren und besonders beanspruchte Stellen dürfen etwas heller oder dunkler ausfallen.

Der strukturierte und farblich abgestimmte Feldweg.

Der strukturierte und farblich abgestimmte Feldweg.

Die Grundbegrasung

Für die erste Schicht verwende ich überwiegend zwei Millimeter lange Fasern. Sie bilden einen geschlossenen Untergrund, ohne bereits wie eine fertige Wiese auszusehen. Die Fasern werden direkt mit dem elektrostatischen Begrasungsgerät in den frischen Kleber eingebracht; das elektrische Feld richtet sie bereits während des Auftrags auf. Ein Sieb eignet sich dagegen gut für Erde, Flocken und anderes nicht faseriges Streumaterial.

Die kurze Grundbegrasung deckt den Boden, lässt aber noch Unregelmäßigkeiten erkennen.

Die kurze Grundbegrasung deckt den Boden, lässt aber noch Unregelmäßigkeiten erkennen.

Nach jedem Begrasungsvorgang lasse ich die Fläche mindestens 24 Stunden trocknen. Erst danach werden lose Fasern abgesaugt. Wer einen sauberen, beutellosen Sauger oder einen feinen Auffangstrumpf verwendet, kann das Material für spätere Arbeiten wiederverwenden.

Gras in mehreren Schichten

Auf der Grundbegrasung wachsen nun längere Fasern. Den unverdünnten Mattkleber bringe ich nur auf die Spitzen der vorhandenen Halme auf. Dafür eignet sich ein kleines Stück eines groben Schwamms: kurz in den Kleber tauchen, auf Küchenpapier abtupfen und anschließend locker über die Fläche streichen.

Unterschiedliche Faserlängen und Farbtöne beleben die erste Wiesenhälfte.

Unterschiedliche Faserlängen und Farbtöne beleben die erste Wiesenhälfte.

Für die oberen Schichten verwende ich Fasern mit etwa 4,5 und 6 Millimetern Länge. Weil der Kleber nur auf ausgewählten Grasspitzen sitzt, bleiben die neuen Fasern hauptsächlich dort haften. Abstand und Leistung des Begrasungsgeräts stelle ich passend zur Faserlänge und nach Herstellerangabe ein. Bei allen Hochspannungsgeräten beachte ich konsequent die Sicherheits- und Herstellerhinweise.

Matten und lose Fasern kombinieren

Fertige Grasmatten verwende ich nicht als geschlossene Fläche. Ich reiße kleine Stücke mit unregelmäßigen Rändern heraus und entferne einen Teil des Trägervlieses. Die aufgelockerten Stücke drücke ich mit Abstand zueinander in den Kleber. Anschließend fülle ich die Zwischenräume mit losen Fasern. So verschwinden die Übergänge und die Matten werden Teil der Landschaft.

Mehrere lockere Schichten ergeben eine dichte, aber nicht gleichförmige Wiese.

Mehrere lockere Schichten ergeben eine dichte, aber nicht gleichförmige Wiese.

Der Ablauf bleibt immer gleich: kleben, beflocken, trocknen und absaugen. Je nach gewünschter Vegetation können fünf, sieben oder noch mehr dünne Schichten sinnvoll sein. Lose Fasern zwischen den Arbeitsgängen bürste ich vorsichtig mit einer Zahnbürste oder einer feinen Messingbürste aus.

Farbe und Unregelmäßigkeit

Eine natürliche Wiese besteht selten aus nur einem Grünton. Ich mische deshalb ähnliche, aber nicht identische Fasern und setze einzelne trockenere oder dunklere Bereiche. Lange Halme wachsen bevorzugt an Böschungen, Zäunen und wenig betretenen Stellen. Direkt am Weg bleiben die Fasern kürzer und lückenhafter.

Letzte Details

Zum Schluss ergänze ich kleine Büsche, Bodendecker und einzelne höhere Pflanzen. Sie werden sparsam verteilt und nicht in regelmäßigen Abständen gesetzt. Besonders wichtig sind die Übergänge am Feldweg: ein paar Halme in der Fahrspur, kleine kahle Stellen und einzelne Steine verbinden Weg und Wiese optisch miteinander.

Pflanzen, kleine kahle Stellen und unregelmäßige Kanten machen den Feldweg lebendig.

Pflanzen, kleine kahle Stellen und unregelmäßige Kanten machen den Feldweg lebendig.

Fazit

Begrasen ist vor allem Übungssache. Ein gutes Ergebnis entsteht nicht durch möglichst viel Material auf einmal, sondern durch viele kontrollierte, dünne Arbeitsgänge. Wer jede Schicht vollständig trocknen lässt und Farben sowie Längen bewusst mischt, erhält eine Wiese mit sichtbarer Tiefe.


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