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Baureihe 52 altern

Eine ÖBB-Dampflok erhält in vielen feinen Schritten ein glaubwürdiges, vom Betrieb gezeichnetes Erscheinungsbild.

Baureihe 52 altern

Das Altern von Modellen ist eine Gratwanderung: Die Fahrzeuge sollen auf der Anlage glaubwürdig wirken, zugleich ist jeder Farbauftrag ein Eingriff in das Modell. Für erste Versuche eignet sich deshalb ein günstiges Flohmarktmodell. Eine Airbrush ist hilfreich, aber nicht für jeden Arbeitsschritt zwingend erforderlich. Erst wenn Farbauftrag und Techniken sicher beherrscht werden, kommen wertvollere Wagen oder Lokomotiven an die Reihe.

Ich habe schon einige Wagen und Elektrolokomotiven gealtert. Schon lange wollte ich mich an einer Dampflok versuchen. So bekam ich vor kurzem eine Kriegslokomotive der Reihe 52 in die Finger und schnell war klar, die wird mein neues Projekt. Die Roco-Maschine hat die Nummer 52.7593. Eine Lokomotive der ÖBB im Ausführungszustand der 70er Jahre.

Als Einstimmung stellte ich ein paar Nachforschungen zur 52.7593 und zur Reihe 52 in Österreich an. Die Lok wurde 1944 bei der Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf gebaut und im Mai 1976 ausgemustert. Am 14. November 1978 stellte man sie in Strasshof als Denkmallok auf. 2021/22 wurde sie im Eisenbahnmuseum „Das Heizhaus“ äußerlich aufgearbeitet und anschließend an ihren überdachten Standplatz zurückgebracht.

Der ständige Einsatz der Reihe 52 im heutigen Österreich begann im Februar 1943 und dauerte bis zum 31. Dezember 1976. An diesem Tag endete auch der planmäßige Dampfbetrieb auf Normalspurstrecken der ÖBB. Für die Farbgebung und Verschmutzung habe ich mir außerdem eine erhaltene Reihe 52 im Eisenbahnmuseum genau angesehen.

Die Reihe 52 beim Vorbild

Die Reihe 52 beim Vorbild

Vorbildstudie im Eisenbahnmuseum

Vorbildstudie im Eisenbahnmuseum

Vorbereitung

Nun zurück in die Gegenwart. Hier auf dem Arbeitstisch befindet sich die Roco-52er. Bevor ich mit dem Altern loslege, zerlege ich die Lok in ihre Einzelteile. Es ist eine gute Idee, die Lok vor und beim Demontieren zu fotografieren. So kann der Platz jedes Einzelteiles beim Zusammenbauen wiedergefunden werden.

Der Tender ist für die Arbeiten zerlegt

Der Tender ist für die Arbeiten zerlegt

Für die Farbaufträge verwende ich eine Airbrushpistole. Pigmente und Washes trage ich mit dem Pinsel auf. Beim Spritzen arbeite ich mit Absaugung, geeignetem Atemschutz und nach den Sicherheitshinweisen der verwendeten Farben und Verdünner.

Zunächst zerlege ich auch den Tender vollständig. Die Bretter am Kohlekasten sind beim Modell aus Kunststoff ausgeführt; ich ersetze sie durch Brettchen aus echtem Holz. Den Kunststoff entferne ich mit einem Schleifer. Nietenbänder aus Messing bilden die Befestigungseisen und werden mit Sekundenkleber an den früheren Kunststofflaschen befestigt. Anschließend grundiere ich den Kohlekasten mit AK Interactive Black Primer. Während er trocknet, entferne ich die Kohleimitation aus Kunststoff mit einem Fräser, setze von unten eine dünne Polystyrolplatte ein und ersetze auch hier das Kunststoffholz. Danach wird dieses Bauteil ebenfalls grundiert.

Die Holzbretter altere ich mit dem Farbset „Old & Weathered Wood Vol.1“ von AK-Interactive. Erst dunkel grundieren, danach mit helleren Farben granieren. Um die Maserung des Holzes hervorzuheben, kann man die Holzbrettchen mit einer feinen Messingbürste bearbeiten. Abschließend kommt noch etwas AK301 „Dark Wash for Wood Deck“ zum Einsatz. Damit wird das Holz in den Vertiefungen noch ein bisschen abgedunkelt und die Maserung hervorgehoben. Ist die Grundierung des Kohlekastens durchgetrocknet, klebe ich die ebenfalls getrockneten Holzleisten mit Superkleber an den vorgesehenen Platz.

Abschließend kümmere ich mich um die Kohle. Die Echtkohle verteile ich mit einem Löffel auf der Tenderabdeckung. Etwas Langmesser Mattkleber, ein bis zwei Tropfen Fließverbesserer von Minitec, verdünnt mit Wasser (1 Teil Kleber, 3 Teile Wasser) fixiert das Ganze.

Echtkohle wird auf dem Tender verteilt

Echtkohle wird auf dem Tender verteilt

Während alles trocknet, kümmere ich mich um die Drehgestelle und den Tender selbst. Die Drehgestelle grundiere ich mit AK Interactive Primer Black. Genau das Gleiche mache ich mit dem Tender. Die roten Griffstangen grundiere ich mit AK Interactive Primer Red. Stellen, die nicht grundiert werden sollen, wie zum Beispiel die roten Stellen an den Drehgestellen, decke ich mit Maskiermittel ab. Auch die Scheinwerfer schütze ich so vor der neuen Farbe.

Ist das Drehgestell trocken, arbeite ich mit Pulverfarben und Mattlack weiter.

Wenn mehrere klar getrennte Pigmentschichten entstehen sollen, fixiere ich die einzelnen Arbeitsgänge vorsichtig mit klarem Mattlack. Der Fixierer kann Pigmente abdunkeln; deshalb teste ich Menge und Abstand zuerst an einem Reststück. AK Interactive „Dark Earth“ trage ich mit einem weichen Pinsel auf das gesamte Drehgestell auf. Fixiert wird mit Mattlack 183, ebenfalls von AK Interactive. Die Federpakete werden mit „Track Rust“ bepinselt und anschließend ebenfalls fixiert.

Jetzt bearbeite ich den Tender. Um weiche Farbverläufe zu erhalten, montiere ich den Kohlekasten samt Abdeckung auf den Tender-Unterbau. Für den Tender verwende ich Pigmente, Mattlack zum Fixieren und Washes. Wo der Kohlenschmutz hinkommt, arbeite ich mit den Pigmenten „Black“. Etwas ausgebleichte Stellen bearbeite ich mit den „Dark Steel“ Pigmenten. Danach fixiere ich wieder alles.

Erste Pigmente und Rostspuren am Tender

Erste Pigmente und Rostspuren am Tender

Um Roststellen darzustellen, verwende ich sparsam ein „Light Rust“-Wash. Mit einem sehr feinen Pinsel trage ich es auf und lasse es kurz antrocknen. Nach einem Verträglichkeitstest löse ich das Wash mit wenig „White Spirit“ wieder an und ziehe es mit einem weichen, flachen Pinsel von oben nach unten aus. So entstehen Rostnasen. Dasselbe mache ich mit „Streaking Grime for Dark Vehicles“ an Stellen, an denen Schmutzwasser abläuft.

Ist alles durchgetrocknet, ist es an der Zeit, den gesamten Tender zusammenzubauen. Den letzten Farbschliff bekommt der Tender, wenn das gesamte Fahrzeug fertig ist.

Die Lokomotive

Wie den Tender, so habe ich auch die Lok selbst in alle Einzelteile zerlegt. Trotz des großen Aufwandes bin ich der Meinung, dass das Endergebnis die große Mühe wert ist. Die Beschriftungen decke ich, genau wie die am Tender, mit Maskiermittel ab. Ein dünner Pinsel eignet sich zum Auftragen am besten. Danach grundiere ich alle schwarzen und roten Teile mit dem jeweiligen Primer.

Die Lokomotive ist in ihre Baugruppen zerlegt

Die Lokomotive ist in ihre Baugruppen zerlegt

Räder und Fahrwerk

In der Zwischenzeit arbeite ich an den Achsen weiter. Für rote Achsen sind die Farben AK 740, AK 127, AK 125. Bevor ich Farbe auftrage, decke ich die Lauffläche und die Achsen mit Malerkrepp ab. So kommt die Farbe nur auf die gewünschten Stellen. Die erste Farbschicht, AK 740, nimmt der Farbe ab Werk den Glanz. Alternativ zu AK 740 kann man auch einfach den „Red Primer“ verwenden. Ist alles durchgetrocknet, wird mit AK 127 abgedunkelt. Ist auch dieser Farbauftrag getrocknet, kann man im Bereich der Speichen mit AK 125 noch Schatten setzen.

Grundierte Achsen

Grundierte Achsen

Abgedunkelte Räder und Fahrwerksteile

Abgedunkelte Räder und Fahrwerksteile

Nun arbeite ich an der Lok selbst weiter. Die Stellen, die mit Abdecklack geschützt wurden, lege ich mit einem Radiergummi vorsichtig frei. Als Erstes bekommt der Rahmen etwas Pigmentfarbe ab. Ich beginne mit „Dark Steel“. Das Pulver wird unregelmäßig mit dem Pinsel aufgebracht und fixiert. Danach bearbeite ich die Stellen, an denen Rost ansetzen kann, mit „Track Rust“, „Medium Rust“ und „Light Rust“. Dabei beachte ich, dass ältere Korrosion meist dunkler und weniger leuchtend wirkt als frischer Flugrost. Auch diesen Pigmentauftrag fixiere ich mit „Ultra Matte Varnish“.

Das Fahrwerk ist wieder zusammengesetzt

Das Fahrwerk ist wieder zusammengesetzt

Der Lok-Unterbau wird genauso behandelt und fixiert. Beim Unterbau kommt auch noch etwas „Dark Earth“ zum Einsatz.

Beim Kessel selbst gehe ich folgendermaßen vor: Zwischen den Kesselringen bringe ich „Black“ auf. Die Kesselringe bearbeite ich mit „Dark Steel“. Mit dem Pinsel arbeite ich immer von oben nach unten. Hier arbeite ich ausnahmsweise mit zwei verschiedenen Pigmenten ohne Zwischenfixierung. So bekomme ich fließende Übergänge von den Kesselringen zum Zwischenraum. Auch etwas „Track Rust“ oder „Dark Earth“ arbeite ich sparsam ein. Dadurch entstehen weiche Farbübergänge, Rostschimmer und Schmutzspuren, die nicht aufdringlich wirken. Wenn ich mit dem Gesamtbild zufrieden bin, fixiere ich die Pigmente. Auf die gleiche Weise bearbeite ich das Führerhaus und den Rest der Lokomotive.

Feine Farbunterschiede heben die Anbauteile hervor

Feine Farbunterschiede heben die Anbauteile hervor

Die zahlreichen Anbauteile wie Griffstangen oder Rohrleitungen grundiere ich ebenfalls: die schwarzen Teile mit „Black Primer“, die roten mit „Red Primer“. Etwas Pulverfarbe „Dark Earth“ oder „Track Rust“ sorgt für einen zurückhaltenden Kontrast zum Fahrzeug und hebt die feinen Bauteile hervor.

Zusammenbau und letzter Schliff

Nun ist alles lackiert, fixiert und getrocknet – Zeit, die Lok zusammenzubauen. Den letzten Schliff erhält sie erst nach der Montage. Dafür arbeite ich einzelne Stellen noch mit Pigmenten und Farben nach, sodass sich die unterschiedlichen Farbnuancen stimmig über alle Teile fortsetzen. Abschließend folgt eine Probefahrt.

Die fertig zusammengesetzte Baureihe 52

Die fertig zusammengesetzte Baureihe 52

Letzte Ruß- und Rostspuren

Letzte Ruß- und Rostspuren

Exkurs: Pigmente fixieren

Beim Fixieren von Pigmenten trage ich „Ultra Matte Varnish“ in mehreren sehr dünnen Schichten auf. Ein kräftiger Luftstoß würde die losen Pigmente wegblasen. Deshalb beginne ich mit niedrigem, zur Airbrush passendem Druck und ungefähr 30 cm Abstand. Es genügt, wenn die Pigmente zunächst leicht benetzt werden. Nach kurzer Trocknung folgt eine weitere dünne Schicht aus geringerem Abstand. Weil jeder Fixierer Farbe und Glanz verändern kann, prüfe ich das Ergebnis zwischendurch und vermeide einen zu nassen Auftrag.

Exkurs: Farben von AK Interactive

Airbrushfarben müssen gründlich aufgeschüttelt werden. Ob zusätzlich Verdünner nötig ist, hängt von Farbe, Düsengröße und Luftdruck ab. Ich verwende nur den zum Farbsystem passenden Verdünner und beginne mit der Herstellerempfehlung. Ein kurzer Spritztest auf Karton zeigt zuverlässiger als ein pauschales Mischverhältnis, ob die Farbe fein zerstäubt, ohne zu spucken oder zu verlaufen.


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