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Ein Ausflug zur Welser Eisenbahnbrücke
Weil auf der Almtalstrecke derzeit gebaut wird und die Züge durch Busse ersetzt werden, habe ich die Gelegenheit für einen kurzen Fotoausflug genutzt. Mein Ziel war die alte Eisenbahnbrücke über die Traun zwischen Wels und Thalheim – ein beeindruckendes Stück Bahngeschichte direkt vor der Haustür.
Unterwegs während der Streckensperre
Auf der Almtalbahn zwischen Wels und Grünau im Almtal herrscht von 11. Juli bis 28. August 2026 Schienenersatzverkehr. Laut ÖBB werden entlang der Strecke Schienen und Schwellen erneuert, das Schotterbett bearbeitet und weitere Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. Im Welser Stadtgebiet stehen unter anderem Arbeiten an der Eisenbahnkreuzung Salzburgerstraße, an der Haltestelle Wels Messe und an der Mühlbachbrücke auf dem Programm.
Die Welser Eisenbahnbrücke selbst ist dabei nicht die Baustelle. Durch die vorübergehend zugfreie Strecke bot sich aber eine seltene Gelegenheit, ihre Konstruktion und die Umgebung einmal in Ruhe aus verschiedenen Blickwinkeln zu fotografieren. Natürlich gilt auch während einer Sperre: Bahnanlagen dürfen nur dort betreten werden, wo es ausdrücklich erlaubt ist.
Seit 1893 über die Traun
Die Brücke ist wesentlich älter, als ich zunächst vermutet hatte. Nach Angaben der Stadt Wels begann ihr Bau am 27. Mai 1892. Schon im Juni 1893 wurde die letzte Niete eingeschlagen, und am 23. Juli desselben Jahres überquerte die erste Lokomotive erfolgreich die Traun. Die offizielle Eröffnung folgte am 14. Oktober 1893 gemeinsam mit der damaligen Lokalbahnstrecke von Wels in Richtung Sattledt und Kremsmünster.
Was heute meist als Almtalbahn bezeichnet wird, entstand historisch in zwei Etappen: Zuerst wurde 1893 die Verbindung von Wels über Sattledt in Richtung Rohr eröffnet. Der Abschnitt von Sattledt nach Grünau im Almtal kam erst 1901 dazu. Die Welser Eisenbahnbrücke war damit schon mehrere Jahre in Betrieb, bevor Züge über die gesamte heutige Strecke bis Grünau fahren konnten.
Stahl, Stein und unzählige Nieten
Besonders spannend ist die Konstruktion aus der Nähe. Das Gleis liegt innerhalb des eisernen Tragwerks, während der außen angehängte Gehweg die beiden Gemeindegebiete Wels und Thalheim auch für Fußgänger verbindet. Getragen wird die Stahlkonstruktion von massiven, mit Steinquadern verkleideten Pfeilern in der Traun.
Überall entdeckt man genietete Verbindungen, kräftige Knotenbleche und sich kreuzende Streben. Aus der Ferne wirkt die Brücke beinahe leicht, doch beim Blick entlang des Gleises oder von unten zeigt sich, wie massiv sie tatsächlich gebaut ist. Der 1922 errichtete Fußgängersteg macht es möglich, viele dieser Details aus sicherer Nähe zu betrachten.
Erhaltenes Stück Welser Bahngeschichte
Die Brücke wurde über die Jahrzehnte immer wieder instand gehalten. Von 2014 bis 2016 fand die bisher letzte Generalsanierung statt. Dabei kümmerten sich die ÖBB um den Korrosionsschutz, während die Stadt Wels und ihre Partner den Fußgängersteg sowie weitere Teile sanierten. Bereits seit 2004 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz.
Gerade solche alten Zweckbauten finde ich besonders interessant. Die Brücke ist kein Museumsstück, sondern bis heute Teil einer betriebenen Bahnstrecke. Gleichzeitig erzählt jedes Detail – von den Nieten bis zu den steinernen Pfeilern – von einer Bauweise, die mehr als 130 Jahre überdauert hat.
Der kleine Ausflug hat sich jedenfalls gelohnt. Ohne vorbeifahrende Züge konnte ich mir Zeit für Perspektiven nehmen, an denen man sonst leicht vorbeigeht: entlang der Schienen, zwischen den Stahlbögen, direkt auf die Nieten und vom Traunufer hinauf zum Tragwerk. So wird aus einer bekannten Brücke plötzlich ein spannendes Fotomotiv – und ein Stück regionale Eisenbahngeschichte.
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