====== Vom Gips zum Stein ====== **Gießen, versäubern, einbauen und kolorieren: So werden aus Gipsabgüssen glaubwürdige Mauern.** {{artikel:gips_und_mauern:g35.jpg?direct&1000|Vom Gips zum Stein}} Immer wieder wird die Frage gestellt, wie realistisch wirkende Mauern entstehen. Fertige Kunststoffteile können sehr gute Ergebnisse liefern; für dieses Projekt bevorzuge ich jedoch mineralische Abgüsse, weil sich ihre Oberfläche leicht nachbearbeiten und kolorieren lässt. Im Folgenden zeige ich meine Arbeitsweise. ==== Gießformen ==== Ich habe Formen von Spörle und Langmesser verwendet. Bei diesem Projekt kamen Langmesser-Formen zum Einsatz, weil sie flexibel sind und die einzelnen Abgüsse gut zusammenpassen. Die blaue Farbe erleichtert außerdem die Kontrolle beim Reinigen. Als Abformmasse verwende ich Zellan. Das Material bildet feine Strukturen ab und ergibt belastbare Teile. Es wird nach Herstellerangabe mit Wasser gemischt und in die Formen gegossen. Ob vor dem Bemalen eine Grundierung sinnvoll ist, hängt von Farbe, gewünschter Saugfähigkeit und Oberfläche ab; ein Probestück schafft Klarheit. ==== Abformen leicht gemacht ==== Zu Beginn bereite ich alle Utensilien vor: zwei Gipsbecher, Zellan, eine Küchenwaage, einen Spatel zum Rühren, Plexiglasplatten, eine Sprühflasche mit destilliertem Wasser, wenige Tropfen Fließverbesserer und natürlich die Formen. {{artikel:gips_und_mauern:g1.jpg?direct&900|Die benötigten Utensilien}} //Die benötigten Utensilien// In einen Gipsbecher gebe ich zuerst Wasser. Für das hier verwendete Material arbeite ich mit einem Verhältnis von einem Gewichtsteil Wasser zu drei Gewichtsteilen Zellan. Maßgeblich bleibt die aktuelle Herstellerangabe. Das Pulver wird gleichmäßig eingestreut und darf kurz Wasser aufnehmen, bevor ich langsam und möglichst luftarm verrühre. Fließverbesserer verwende ich nur sparsam, weil Zusätze die Materialeigenschaften verändern können. {{artikel:gips_und_mauern:g4.jpg?direct&900|Das Zellan wird in das Wasser geschüttet.}} //Das Zellan wird in das Wasser geschüttet.// Jetzt bereite ich die Gießform vor. Ich spüle sie mit Wasser ab, tupfe sie trocken und benetze sie anschließend sehr fein mit entspanntem Wasser. Pfützen dürfen nicht in der Form stehen bleiben. Danach kann gegossen werden. Am besten beginnt man an einer Ecke und arbeitet sich mit der Masse vor, bis die Form voll ist. {{artikel:gips_und_mauern:g8.jpg?direct&900|Der Gießvorgang}} //Der Gießvorgang// Damit jeder Abguss gleich dick wird, lege ich eine Plexiglasplatte so auf die Form, dass überschüssige Gießmasse herausgedrückt wird. Entformt wird erst, wenn das Material ausreichend fest ist; die Zeit hängt von Mischung, Temperatur und Herstellerangabe ab. Die flexible Form ziehe ich behutsam vom Abguss ab. Um zu zeigen, wie ich die fertigen Abgüsse verarbeite und koloriere, fertige ich ein kleines Diorama an. Als Grundplatte dient ein fünf Zentimeter dickes Reststück aus XPS. In die Mitte klebe ich ein zehn Zentimeter breites Stück als Bahndamm. Daran befestige ich die Platten mit einem für XPS geeigneten, lösemittelfreien Kleber. Eine Seite erhält Betonwände, die andere eine Sandsteinmauer. Mit einer feinen Säge lassen sich die vollständig getrockneten Abgüsse gut zuschneiden; vorsichtiges Arbeiten reduziert die Bruchgefahr. {{artikel:gips_und_mauern:g13.jpg?direct&900|Zersägen der Platten ist kein Problem}} //Zersägen der Platten ist kein Problem// Ist der Kleber getrocknet, mache ich mich ans Verspachteln der Übergänge. Dazu nehme ich etwas Zellanpulver und rühre es mit Wasser an. Mit einem Borstenpinsel tupfe ich die feuchte Zellanpaste in die Ritzen. Ist die Masse etwas angetrocknet, nimmt man mit einem angefeuchteten Pinsel überschüssiges Material ab. So entstehen, wenn man ordentlich geklebt hat, flüssige Übergänge. Die Betonmauern werden auf die gleiche Weise bearbeitet. {{artikel:gips_und_mauern:g15.jpg?direct&900|Verspachtelt.}} //Verspachtelt.// ==== So kommt die richtige Farbe ins Spiel ==== Für die Farbgebung verwende ich verschiedene Vallejo-Farben und Washes. Die folgenden Farbcodes dokumentieren mein damaliges Vorgehen; ähnliche Töne anderer Farbsysteme funktionieren ebenfalls. ==== In fünf Schritten zur Sandsteinmauer ==== ==== Grundauftrag ==== Das Vallejo Silver Grey 152 wird mit entspanntem Wasser verdünnt und aufgetragen (Mischverhältnis ein Teil Farbe, zwei Teile Wasser). Die Mischverhältnisse sind Richtwerte. Ein Probestück lohnt sich, weil Saugfähigkeit und Farbwirkung von Abguss zu Abguss variieren. Vor dem nächsten Wash lasse ich jede Schicht vollständig trocknen; je nach Farbe und Raumklima kann das deutlich weniger oder mehr als 24 Stunden dauern. ==== Moose und Flechten ==== Für Moose und Flechten verwende ich Vallejo Yellow Green 112. Zuerst benetze ich die Mauer leicht mit entspanntem Wasser. Mit einem dünnen Pinsel bringe ich die Farbe punktuell auf; durch die feuchte Oberfläche verläuft sie weich. Für dieses Diorama mische ich einen Teil Farbe mit drei Teilen Wasser. Vor dem nächsten Schritt muss die Schicht vollständig trocknen. {{artikel:gips_und_mauern:g22.jpg?direct&900|Das verdünnte Yellow Green punktuell aufbringen.}} //Das verdünnte Yellow Green punktuell aufbringen.// ==== Abdunkeln ==== Nun trage ich Vallejo Medium Grey 111 fleckig auf die Mauer auf. Ein sehr kleiner Zusatz Fließverbesserer unterstützt den ungleichmäßigen Verlauf. Das Mischverhältnis beträgt hier einen Teil Farbe zu fünf Teilen Wasser. {{artikel:gips_und_mauern:g26.jpg?direct&900|Fleckig aufgetragen}} //Fleckig aufgetragen// Nach vollständiger Trocknung folgt eine Mischung aus drei Teilen Vallejo Black Shade Wash, einem Teil Vallejo White Grey 151 und sechs Teilen Wasser. Ein sehr kleiner Zusatz Fließverbesserer genügt. Auch hier wird die Mauer vorher nur leicht benetzt. Zu dunkle Stellen nehme ich mit einem sauberen, feuchten Pinsel zurück. Danach lasse ich die Schicht wieder vollständig trocknen. {{artikel:gips_und_mauern:g30.jpg?direct&900|Schön nass verläuft die Farbe von selbst.}} //Schön nass verläuft die Farbe von selbst.// ==== Konturen ==== Im nächsten Schritt hebe ich die Konturen hervor. Dazu mische ich zwei Teile Vallejo Sepia Wash, drei Teile Black Shade Wash und drei Teile Wasser mit wenig Fließverbesserer. Die Mischung wird wie beim Abdunkeln aufgetragen. ==== Lichtkanten ==== Die Lichtkanten werden mit Vallejo White grey 151 hervorgehoben. Die Farbe wird am besten mit einem Borstenpinsel aufgebracht. Dazu nimmt man etwas Farbe auf den Pinsel und wischt z. B. auf einem Küchentuch oder einer alten Zeitung den Pinsel so lange über das Papier, bis keine Farbe mehr aus dem Pinsel kommt. Von oben nach unten streicht man jetzt über die Oberfläche der Mauer. So werden nur die Kanten betont. Diesen Schritt mache ich aber erst, wenn die Landschaft begrast ist, damit ich den Gesamteindruck abschätzen kann und das Ganze nicht zu hell wird. ==== In fünf Schritten zur Betonmauer ==== Bei Grundfärbung, Moosen, Flechten und Lichtkanten entspricht die Vorgehensweise weitgehend jener der Steinmauer. {{artikel:gips_und_mauern:g38.jpg?direct&900|Moos und Flechten}} //Moos und Flechten// Im Gegensatz zur Steinmauer wird ja bei Beton auch Eisen verarbeitet. Irgendwann dringt Feuchtigkeit bis zum Metall vor und es entsteht Rost. Daher bringe ich Rostspuren an der Mauer an. Rost stelle ich mit Vallejo Mahogany 139 dar, zu gleichen Teilen mit Wasser gemischt. Die Farbe wird mit einem dünnen Pinsel punktuell aufgetragen. Ist alles durchgetrocknet, ergänze ich zurückhaltende Ablaufspuren mit einer Mischung aus Vallejo Sepia Shade und Wasser im Verhältnis 1:1. Ein wenig Fließverbesserer unterstützt den Verlauf. Bei der Betonmauer hebe ich die Konturen mit einem Teil Sepia Wash, 2 Teilen Black Wash, 3 Teilen Wasser und einem Schuss Fließverbesserer, hervor. Die gewohnte Verarbeitung, Mauer benetzen, Auftragen und bei Bedarf ein Sprühstoß aus der Wasserflasche, kommt auch hier zum Einsatz. {{artikel:gips_und_mauern:g41.jpg?direct&900|Durchgetrocknet}} //Durchgetrocknet// Bis auf das Setzen der Lichtkanten (Granieren) ist nun alles fertig. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wer sich auf neue Techniken einlässt und sie mit den eigenen Arbeitsweisen kombiniert, entwickelt im Laufe der Zeit einen persönlichen Stil. Der wichtigste Aspekt bleibt das Ausprobieren: Es gibt keinen besseren Lehrmeister als die Praxis. ==== Ein bisschen Landschaftskunde ==== Nun kümmere ich mich noch um das Drumherum. Für die Landschaft verwende ich Fasern, Laub und Gebüsch von MiniNatur sowie einzelne Pflanzen und Bauteile von Modelscene. Entscheidend ist weniger der Hersteller als eine passende Körnung, zurückhaltende Farbe und eine unregelmäßige Verteilung. Die Wiesen begrüne ich in mehreren dünnen Arbeitsgängen. Für diesen Untergrund verwende ich XPS-Platten, weil sie leicht sind und sich gut formen sowie bepflanzen lassen. Andere bewährte Unterbauten, etwa eine Geländehaut über Gewebe, funktionieren ebenfalls. Wichtig ist, die verwendeten Techniken auf den jeweiligen Untergrund abzustimmen. ==== Der Unterbau ==== Die XPS-Platten bearbeite ich mit einem scharfen Messer, einer Raspel und grobem Schleifpapier. Lösungsmittel wie Nitroverdünnung greifen XPS unkontrolliert an, sind leicht entzündlich und erzeugen gesundheitsschädliche Dämpfe. Für eine sichere und reproduzierbare Struktur bevorzuge ich deshalb die mechanische Bearbeitung. Wer die Reaktion eines Werkstoffs testen möchte, sollte dafür ausschließlich ein separates Reststück verwenden und sämtliche Sicherheitsangaben beachten. Zum Verkleben der Styrodurteile verwende ich den Tesa Alleskleber Rot. Wer größere Mengen von diesem Kleber benötigt, kann bei Langmesser auch 1,75 kg Nachfüllflaschen kaufen. {{artikel:gips_und_mauern:g45.jpg?direct&900|Struktur dank Nitro-Verdünnung}} //Struktur dank Nitro-Verdünnung// ==== Gras in mehreren Schichten ==== Zuerst entsteht mit kurzen Fasern eine unregelmäßige Grundschicht. Nach vollständiger Trocknung sauge ich loses Material ab. Darauf folgen längere Fasern und einzelne Grasmattenstücke; abschließend setze ich Büsche und höhere Pflanzen. Für die losen Fasern verwende ich ein dafür vorgesehenes elektrostatisches Begrasungsgerät und beachte konsequent dessen Sicherheitsanweisungen. Die Elektrode darf während des Betriebs nicht berührt werden, und das Gerät wird vor jeder Reinigung vollständig ausgeschaltet und entladen. ---- [[wissen:start|Zurück zu den Anleitungen]] · [[galerie:start|Zur Bildergalerie]]